Konzern essen Seele auf

Immer wieder gibt es Skandale, bei denen Politiker sich von Lobbyisten bezahlen lassen, oder in irgendeiner Form in Lobbyarbeit verwickelt sind. Undurchsichtige Beziehungen von hochrangigen Politikern zu grossen Konzernen sind wiederholt an der Tagesordnung.
Ministerien für Konzerninteressen haben wir in Europa mehr als genug. Greenpeace benannte das Bundesumweltministerium vor 2 Jahren um in “Bundesministerium für Atomkraft und Konzerninteressen”, nachdem der Ausbau in Gorleben wiederaufgenommen wurde. Böse Zungen behaupten, u.a. der ehrwerte Altkanzler Helmut Kohl hätte in Kreisen der Lobbyisten gewirkt, bevor er in die Politik ging. Ab und zu rollen dann Köpfe, es scheint jedoch hier wie bei der Hydra, so dass für jeden abgeschlagenen Kopf zwei an dessen Stelle nachwachsen.
So lange offiziell nichts bewiesen ist, stört sich offensichtlich kaum jemand daran. Da muss schon ein Artikel in der “Bild” erscheinen, bevor jemand aufhorcht.

Gerade jetzt wird wieder einmal deutlich, welche Macht die Konzerne haben. Ohne Lobbyarbeit wäre der von Rot-Grün beschlossene Ausstieg wohl nicht mehr so einfach rückgängig zu machen gewesen, ohne die Ereignisse der vergangenen Woche in Japan wäre die Diskussion um die Laufzeitverlängerungen deutscher AKW’s wohl auch (vorerst zumindest) vorbei gewesen.
Durch die aktuelle Debatte um die Sicherheit der Kernkraft entsteht jedoch der Eindruck, dass jetzt erst klar wird, dass auch in Europa unsere AKW’s nie zu hundert Prozent sicher sind.

Die radioaktiven Abfälle werden dabei wieder nur am Rande erwähnt. Dabei gibt es gerade hier Diskussionsbedarf. Vor allem dann, wenn in einigen Monaten die anfängliche Euphorie verflogen ist, und die Meiler wieder hochgefahren werden. Was letztendlich mit dem ganzen Müll geschieht, kann man in Michael Madsen’s Doku “Into Eternity” eindrucksvoll nachvollziehen. Wenn auch hier nur eines der sog. Endlager gezeigt wird, welche in Zukunft vielerorts in Europa entstehen müssen.
Es wird die Frage aufgeworfen, wie die Welt wohl heute aussehen würde, wenn die Ägypter bereits Kernenergie genutzt hätten, dann säßen wir wohl heute auf relativ heissen Kohlen.
Können wir es wirklich verantworten, zukünftigen Generationen unterirdische, strahlende Überraschungen zu überlassen? Wie funktioniert ein solch verantwortungsloses Unterfangen?

Hier sind wieder einmal wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, der einzelne Bürger zählt nicht. Warum die Politik immer wieder über die Köpfe der Mehrheit der Bürger hinweg Entscheidungen treffen kann, und am Ende doch noch als (Wahl)Sieger da steht, ist mir ein Rätsel. Wie uns Firmen “kontrollieren” kann man anhand der Doku “The Corporation” nachvollziehen. Die hier dargestellte verselbstständigung der Konzerne und ihrer Interessen scheint immer offensichtlicher. Das ist leider die logische Konsequenz daraus, dass sich niemand wirklich verantwortlich für einzelne Handlungen in einer grossen Firma fühlt, und im Endeffekt nur im Interesse der Angestellten und dem Wohlergehen des ganzen Apparates arbeitet … Hinzu kommt dann natürlich noch die Gier einzelner …

Die Argumente der Atomindustrie und ihrer Befürworter scheinen zwielichtig, die Einsparung von CO² scheint mehr als fraglich, hier müssten unsere Energiemixes in Europa wohl noch stärker auf Kernkraft setzen, aber was nützt saubere Luft verseuchten Landschaften?
Wenn man die Milliardeninvestitionen die jetzt nötig werden (nach dem Desaster in Japan wird die Politik teuere Sicherheitspakete verordnen), in die Forschung regenerativer Energiequellen stecken würde, wäre dies aus meiner Sicht, langfristig gesehen, sicherlich sinnvoller.
Denn wer zahlt die Unsummen bei einer solchen Katastrophe? Zum Grossteil der Staat und somit der Steuerzahler, die Versicherungssummen der Betreiber für alle AKW’s in Deutschland zusammengenommen, würden nicht einmal ausreichen auch nur die Folgen zu bezahlen wenn nur in einem Reaktor ein grösserer Zwischenfall zu verzeichnen wäre. Die billige Atomkraft ist auch nur für die Industrie wirklich billig, da sie nur rund einen Drittel eines privaten Haushalts zahlen muss. Würde man hier mal die verarbeitende Industrie zur Kasse bitten, so würden sich die regenerativen Energien auf lange Sicht rechnen, vor allem wenn man die Folgen für Mensch und Umwelt mit einkalkuliert.

Hier ein Spot von den Machern von “The Corporation” der eine Übersicht zur die Thematik der Doku vermittelt: Quelle: www.thecorporation.com 21/03/2011 04:45

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